Was ist die Sharpe-Ratio?

Die Sharpe-Ratio ist eine Finanzkennzahl, die die Rendite einer Anlage im Verhältnis zu ihrem Risiko bewertet. Sie wurde von William F. Sharpe, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, entwickelt und ist einer der am häufigsten verwendeten Indikatoren im Portfoliomanagement.

Die Sharpe-Ratio-Formel

Sharpe-Ratio = (Rp − Rf) / σp

Dabei gilt:

  • Rp = Rendite des Portfolios oder der Anlage
  • Rf = Risikoloser Zinssatz (z. B. Staatsanleihen)
  • σp = Standardabweichung der Portfolio-Rendite (Volatilität)

Berechnungsbeispiel

Angenommen:

  • Portfolio-Rendite: 12 % p.a.
  • Risikoloser Zinssatz: 3 % p.a.
  • Standardabweichung: 15 %

Sharpe-Ratio = (12 % − 3 %) / 15 % = 9 % / 15 % = 0,60

Interpretation der Sharpe-Ratio

Wert Interpretation
< 0 Rendite unter dem risikolosen Zinssatz
0 – 1,0 Akzeptabel, aber verbesserungswürdig
1,0 – 2,0 Gut — gute risikobereinigte Rendite
2,0 – 3,0 Sehr gut
> 3,0 Ausgezeichnet (oft langfristig nicht nachhaltig)

Einschränkungen der Sharpe-Ratio

  • Setzt Normalverteilung voraus: Erfasst Tail-Risiken und Fat Tails schlecht.
  • Zeitraumsensitiv: Ergebnisse variieren je nach verwendetem Zeithorizont.
  • Bestraft positive Volatilität: Behandelt positive und negative Volatilität gleich.
  • Erfasst kein Liquiditätsrisiko: Eine illiquide Anlage kann eine künstlich hohe Sharpe-Ratio aufweisen.

Alternativen zur Sharpe-Ratio

  • Sortino-Ratio: Berücksichtigt nur die Abwärtsvolatilität
  • Calmar-Ratio: Verwendet den maximalen Drawdown statt der Standardabweichung
  • Treynor-Ratio: Verwendet das Marktbeta statt der Gesamtstandardabweichung

Fazit

Die Sharpe-Ratio ist ein wertvolles Instrument zum Vergleich von Anlagen mit unterschiedlichen Risikoniveaus. Je höher die Ratio, desto besser ist die Rendite pro eingegangener Risikoeinheit.